• Foto: Jürg Bass

  • 14. NOVEMBER 2022

    Neue Stafettenfolge:
    Spannend und interessant.

    Siehe Bericht.

  • 27. Oktober 2022

    Chömed ufe isch mega zum flüge oder handle

    Bild: Alexander Schmid

  • Sonntag, 16. Oktober 2022

    DCZO Hike&Fly Ausflug – Skiberg im Vordertal

  • 9. Oktober 2022

    Der DCZO und das XC Contest – Clubranking

    Der DCZO ist auf dem stolzen 14. Platz!

  • 20. September 2022

    Alp Scheidegg – HIKE&FLY – Wettbewerb

    Pilotinnen und Piloten des DCZO wandern zur Alp Scheidegg hoch, um zu fliegen.

  • 16. September 2022

    «E spontani Fiir»

    an der kleinen Schanze in Gibswil

  • 10. September 2022

    Hike & Fly

    Am Sonntag dem 11.9.22 um  8.30 trafen sich 5 Piloten vom DCZO in Wald und haben sich in Richtung Glarnerland vorgewagt.

Flugstafette

Was ist das?
Aussergewöhnliche Überraschung – Andy Schumacher

Drückende 36 Grad im Schatten - und das am 6. September – zwingen uns, den Nachmittag mit etwas Siesta im Motelzimmer zu verbringen. Zeit, um aus den GoPro-Aufnahmen der vergangenen Tage ein paar Filme zusammen zu schneiden.

Seit gut einer Woche sind mein Freund Taggi und ich zusammen mit Stacy, unserem amerikanischen Fliegerkollegen, der auch als unser Fahrer fungiert, unterwegs durch die Rocky Mountains, um die vielschichtigen und zum Teil abenteuerlichen Fluggebiete zu erkunden und zu befliegen.

Nun sind wir also wieder einmal in Glenwood Springs. Es ist eine überschaubare, klassische Kleinstadt im Bundesstaat Colorado mit ca. 10'000 Einwohnern und liegt auf 1750 Meter über Meer. Eingebettet in ein Tal – oder Canyon, wie man hier sagt –, das Ost und West über die Interstate 70 miteinander verbindet.

Der Plan ist, gegen Abend auf den Hügel oberhalb von Glenwood Springs zu fahren - zu den Antennen -, um dort noch einen gemütlichen Abendsoaring-Flug zu geniessen. Nachmittags fliegt «man» dort nicht, wurde uns in der lokalen Flugschule bestätigt, da die thermischen Turbulenzen gepaart mit den Talwindsystemen in den engen Canyons kein sicheres Fliegen versprechen. Aber abends gibt es meist noch ein Zeitfenster, in dem es sich gemütlich Soaren und den Tag ausklingen lässt.

So fahren wir um 16.30 Uhr los, um nach ca. 45 Min Fahrt – der grösste Teil des Weges führt über sog. Dirt Roads (unbefestigte Strassen) - auf dem Lookout Mountain anzukommen und anschliessend, falls die Windrichtung stimmen sollte, gleich zu starten.

Oben angekommen, kommt der Wind «sidefiin» mit ca. 10-15 km/h die Flanke hoch, was einen spielerischen Soaringflug verspricht. Stacy wird heute leider nicht fliegen können, da ja jemand das Auto wieder ins Tal bringen muss. Im Wissen, dass Taggi etwas länger braucht, bis er startklar ist, und ihn Stacy beim Start etwas unterstützen kann, mache ich mich gleich ans Auspacken.

Achtung, fertig, los und schon schwirre ich am Startplatz hin und her.

Es macht Spass, so knapp über das Gelände zu fliegen, wohlwissentlich, dass man nicht «absaufen» kann. Wenn die Geier, die ansonsten auf dem Funkturm sitzen, rausfliegen, ist es meist ein klares Zeichen, dass wieder eine thermische Ablösung kommt. Ich folge ihrem Beispiel und kann mit ein paar Kreisen 50 – 100 m überhöhen.

Mittlerweile ist Taggi auch in der Luft und gemeinsam geniessen wir den erwarteten Abendflug.

Doch auf einmal sehe ich Taggi nicht mehr. Wo ist er hin? Einige hundert Meter links und rechts vom Startplatz ist kein Schirm zu sehen. Ich schaue hoch und da schraubt er sich doch gemütlich ca. 300 m über mir in den Himmel. In dem Moment fängt mein Vario an zu piepsen. Nicht übermütig, aber mit feinen 2.5 m/s geht’s langsam Richtung Himmel. «So cool», sag ich mir und bin erstaunt, dass es immer weiter steigt.

Der Landeplatz im Tal liegt auf ca. 1800 m und unser Startplatz auf 2400 m.

Normalerweise fliegt man hier eine Weile plus minus auf Startplatzhöhe und geht dann, bei Sonnenuntergang, der in dieser Jahreszeit so ca. um 19.15 Uhr einsetzt, langsam Richtung Landeplatz. Doch heute scheint es ganz anders zu sein. Kontinuierlich geht’s es hoch, in einem Zug bis auf 4000 m. Wow!

Die Sicht da oben ist durch Waldbrände getrübt, die 800 km im Norden in Oregon und Idaho wüten, aber dies tut meiner Begeisterung, über den unerwarteten Höhenflug, keinen Abbruch.

Etwas orientierungslos fliege ich in der Gegend rum, immer noch erstaunt über dieses unerwartete Geschenk und ziehe meine Jacke über meine Handgelenke. Habe ich doch nur die ganz leichte Jacke angezogen und hier oben wird’s dann doch etwas kühl.

 

Leicht unentschlossen fliege ich ein paar Kilometer Richtung Osten, mit dem offiziellen Landeplatz im Gleitwinkel-Bereich. Taggi ist in die andere Richtung geflogen und wird sicherlich nachher am Landeplatz landen, denke ich mir. Soll ich noch wegfliegen? So spät noch auf Strecke gehen? Die Rückholung ist, dank  unserem Fahrer Stacy, kein Thema, aber wir haben doch gesagt, wir treffen uns am Landeplatz!? Aber jetzt einfach mehr als 2000 Meter vernichten, um da unten zu landen, macht auch keinen Sinn. Also los!

Ich folge eine Weile dem Haupt-Canyon und schiele auf den majestätischen Mount Sopris der in ca. 50 km Ferne in den Himmel ragt und geniesse den Flug.

Da fällt mir auf, dass ich gar keine Höhe verliere. Fliege ich doch schon ca. 10 Minuten gerade aus und bin höher als noch zuvor – das ist mir auch noch nie passiert. Ich hatte gar nicht auf mein Vario geachtet, doch nun fällt es mir auf. Ich habe ein stetiges Steigen von 0.5 – 1 m/s im Geradeaus-Flug.

Wie geil ist das denn!? Ich nehme mir die Ortschaft Basalt als Ziel. Es liegt am Ende der Hochebene, über die ich gerade fliege und auch wenn es runter gehen sollte, Landeplätze gibt’s genügend.

Immer noch sprachlos, über das, was gerade geschieht, lasse ich mein Vario nicht mehr aus den Augen.

4200 and climbing… ich fange an, mit dem Beschleuniger zu spielen. Ob ich den Beschleuniger halb oder ganz drücke, scheint mein Steigen nicht zu beeindrucken; es steigt fein und konstant weiter bis auf 4400 amsl.

Seit 30 Minuten fliege ich nun gerade aus – einen Kreis habe ich nur gemacht, um einmal zurückzuschauen – und ich verliere keine Höhe. Das habe ich noch nie erlebt – wie verrückt ist das denn?

Immer noch «geflashed» von diesem zwar sehr unspektakulären und doch so aussergewöhnlichen Flug, kommt die Ortschaft Basalt immer näher. Ich überlege, wie weit es noch wäre, um bis nach Aspen zu fliegen und ob’s da wohl immer noch so tragen würde. Wie es so ist; man fängt an die Bergflanken, die Täler etc. zu observieren – Wind, Aussenlande-Möglichkeiten etc. – bis mir auffällt, dass die Sonne bereits den Horizont berührt. Immer noch auf 3900 m merke ich, dass mir das Tageslicht ausgeht und ich mein Vorhaben fallen lassen muss. Also fasse ich langsam einen Landeplatz ins Auge.

Basalt liegt eingebettet zwischen mehreren Bergen und mehrere Täler kommen da zusammen. Dies scheint nicht der optimale Platz zum Landen zu sein. Also Rechtsumkehrt und zurück nach El Jebel, wo ich schon im Hinflug einen riesigen Sportplatz resp. Wiese ausgemacht hatte.

Es stink mir ein wenig, 2000 Meter Höhe zu vernichten, nur weil mir das Licht ausgeht! 😊

Doch im Dunkeln landen ist keine Option. Ich schätze, dass es am Landeplatz noch ca. 20-30 Minuten Licht hat, denn die Sonne ist bei mir oben am Untergehen. Am Talboden ist schon seit 30 Minuten keine Sonne mehr zu sehen.

Widerwillig und immer noch, mit leichtem Steigen im Geradeaus-Flug, fange ich an, eine feine Steilspirale zu fliegen. Langsam geht’s runter. Sobald ich jedoch die Kreise wieder ausleite und geradeaus fliege, bleibe ich fast auf der gleichen Höhe.

Ich nehme die Ohren rein und fliege beschleunigt auf die riesige Wiese, als ich bemerke, dass ich nur noch knapp 10 km/h Vorwärtsfahrt habe. Ohren wieder raus und Normalflug; 2-5 km/h vorwärts zeigt mein Vario an. Was ist denn jetzt los? Mein Meteo-Hirn fängt an zu rattern. Hinter dem Dorf ist ein breiter grosser Berg, der nun im Schatten liegt – Scheisse, ein katabatischer Fallwind, der mir mit ca. 30 km/h genau ins Gesicht bläst. Muss der nun genau gegen mich blasen? Das ausgesuchte Landefeld ist noch ca. 1 km vor mir und auf einmal habe ich es nicht mehr so eilig, meine Höhe zu verlieren. Ab in den Stampfer und Vollgas in Richtung Wiese. Da hat’s noch einen Fluss – schaff ich’s da rüber? Wenn nicht, wo gibt’s hinter mir noch Landemöglichkeiten?

Auf einmal ist die ganze Gemütlichkeit der letzten 2 Stunden verflogen und Anspannung macht sich breit. Es gäbe da hinten das eine oder andere kleine Feld, aber weit weg von jeder Strasse.

«Das reicht! Das muss reichen!», sag ich mir und versuche instinktiv den voll durchgetretenen Beschleuniger noch mehr durchzutreten – ohne Erfolg!

Bange Minuten verstreichen, in denen ich mich – gefühlt, Meter um Meter - in Richtung Sportplatz kämpfe, immer mit Blick aufs Vario: 3km/h – 7km/h – 5 km/h.

Die letzten 500 Höhenmeter verschaffen mir gefühlt nur ca. 200 Meter Vorwärtsfahrt.

So die Arschbacken zusammengekniffen, habe ich mir auch schon lange nicht mehr… natürlich nur vor lauter Beschleuniger drücken..:-)

Schlussendlich hat’s noch gereicht, um auf der Wiese zu landen, bevor es ganz dunkel wurde. Zum Glück hat in den letzten 100 Höhenmetern die Stärke des Windes auf ca. 20 km/h nachgelassen, so dass eine sichere Landung möglich war.

Trotz den eher angespannten letzten 20 Minuten, ist dieser Flug, mit einer Stunde Geradeausflug und stetigem Steigen, einer meiner bemerkenswertesten Flüge, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Falls du bis hier gelesen hast, danke ich dir für deine Aufmerksamkeit und hoffe, dich ein wenig auf diesen Flug mitgenommen zu haben.

Gerne nominiere ich für den nächsten Flugstafetten-Bericht Michael Gübeli und freue mich bereits jetzt auf seine Erzählungen.

 

Zum Track.

Scheidegg Erinnerungen – Mark Bugmann

Mit leichtem, aber bestimmtem Zug steigt mein Edel Prime gemächlich hoch und seine 42 Quadratmeter füllen sich im steten Aufwind, der übers kurze, saftige Gras der Alp Scheidegg streicht. Ich drehe mich aus, spreche ruhig aber bestimmt zu meinem Sohn, dass jetzt noch ein paar kräftige Schritte zu laufen sind. Es ist sein Erstflug. Seine Beine zappeln schon in der Luft, der Fahrtwind rauscht, wir heben ab...

Schon als Kleinkind zeigten mir meine Eltern die Welt der grossen Berge, die Surselva wurde zu meiner zweiten Heimat. Kein Wunder fühle ich mich auch als Gleitschirmflieger bis heute mit den Bündner Bergen besonders verbunden – die meisten meiner kleinen und grossen Flugerlebnisse spielten und spielen sich dort ab.

Aber gefragt in dieser Serie sind eigentlich Erlebnisse und Berichte mit der Alp Scheideeg – und auch mit ihr habe ich meine eigene und lange Geschichte. Ende der 80er Jahre lernte ich sie als Flugschüler kennen, unsere Flugschule aus dem Alpstein machte gelegentlich hier Halt. Einmal brevetiert, ruckelten wir Winterthurer dann mit dem Zug durchs Tösstal und versuchten, möglichst weit nach Winterthur zurückzufliegen. Das erste Gadget, einen Variopiepser, hatten wir als stolze Neuerwerbung schon dabei, aber Aufzeichnungsgeräte, Luftraumhinweise usw. waren noch nicht erfunden, von grossen Streckenflügen träumte auch noch niemand wirklich. Als wir dann einst über Bichelsee die einzelnen Fenster von Linienmaschinen einige Kilometer entfernt ausmachen konnten, war uns bewusst: hier sollten wir wohl nicht sein... Dann halt in die andere Richtung: Ich erinnere mich an einen Flug, in dem ich es mit meiner Matratze – die Dinger sahen echt noch nicht wie Flügel aus – irgendwie trotzdem bis nach Weesen schaffte. Es war unbeschreiblich. Weder geplant, noch geträumt, einfach drauflosgeflogen. Keine Aufzeichnung, kein Foto, nix. Kein Wunder wollte mir das erst niemand richtig glauben, ich konnte es ja kaum selbst fassen!

Jahre später, zurück aus dem Ausland, liessen wir uns als Familie im Zürcher Oberland nieder. Ich entdeckte die Scheidegg neu und wurde Mitglied im DCZO. Auch wenn ich, wie eingangs erwähnt, nicht oft auf der Scheidegg anzutreffen bin, so erinnere ich mich doch auch ohne Flugbuch und Fotos an viele tolle Flüge, die sich manchmal auch überraschend einstellten – so z.B. nach der Arbeit am bereits späteren Nachmittag zur Scheidi hochgefahren, um dann mit Westwind-verbogenen,  starken, aber ruhigen Thermiken in weniger als 2 Stunden bis zum Hohen Kasten verfrachtet zu werden – das waren in den 90er Jahren noch Hammerflüge, die unvergesslich geblieben sind.

Aber hier möchte ich einen besonderen Flug (eigentlich zwei) aus der Erinnerung herausgreifen, der weder hoch noch weit ist, aber mit besonderen Gefühlen verbunden ist – und zudem hat eine Unbekannte auch noch Fotos gemacht, die danach den Weg zu mir gefunden haben. Irgendwo in einem meiner vielen handgeschriebenen Flugbüchern aus der damaligen Zeit würde auch noch das Datum stehen – but who cares. Aber die Erinnerungen sind noch so frisch, wie wenn es gestern gewesen wäre...

Wir heben ab. Und zwar ziemlich als erste. Niemand weiss, ob es schon trägt. Trägt es überhaupt heute? Keine Wölkchen, auch keine deutlichen Ablösungen. Und es ist schon bald Mittag. Mit meinem noch jungen Sohn bin ich sehr auf der leichten Seite der optimalen Beladung für meinen Prime, aber der Flügel steigt dann unheimlich gut – das erste Biplace-Modell, das mit Solo-Schirmen mithalten kann. So entscheide ich mich zu starten, denn wenn die vielen Flieger (ich erinnere mich nicht, eine Frau gesehen zu haben) alle in der Luft sind, wird es gerade mit dem Bi schwierig, genau dort zu fliegen und zu kreisen, wo man möchte. Es blubbert und schüchterne, kleine Heber sind spürbar. Innerlich ärgere ich mich schon ein wenig: zu früh gestartet, zu wenig Geduld. Ich finde nichts Brauchbares zum Steigen und wir sinken unterm Strich, egal wo wir hinfliegen. Natürlich beobachten uns alle, niemand startet. Dann so eine Eingebung. Weg von hier, was anderes versuchen und zwar ganze vorne draussen. Bremsen frei und zum Josi an die Südostflanke gleiten, da müsste die Sonne doch reinbrennen und aufheizen. Ich versuche, meinem Sohn zuzuhören, der begeistert ist und drauflos plappert, aber der fliegerische Ehrgeiz sitzt tiefer als das Vater-Sohn-Geplänkel. Das Vario piepst kurz, um auch gleich kläglich wieder zu verstummen, aber wenigstens wiederholt. Also da IST doch was. Ich überwinde mich, den Flügel selber suchen zu lassen. Tatsächlich, er beginnt plötzlich in eine Richtung zu ziehen, das Vario schlägt an, wird stärker, behutsam versuche ich in diesem Aufwind zu bleiben, bringe meinem Sohn das Reinhängen zu einer Seite bei. Das Steigen wird konstant, das Vario schneller und lauter, wie mein Herzschlag. Linke Hand runter und richtig eindrehen. Den Schlauch lasse ich nicht mehr los und langsam, aber sicher verschwindet der Josenberg unter uns und irgendwann sind wir in diesem tollen Schlauch höher als die Scheidegg. Dort sind plötzlich viele Schirme ausgelegt und einer nach dem anderen haut sich raus. Schon bald tummeln wir uns alle zusammen zwei-, dreihundert Meter über unserem Spielplatz, herrlich!

Wir sind schon einiges über einer Stunde in der Luft, mein Sohn kann nicht genug kriegen, er findet es einfach toll. Schlecht wird ihm zum Glück auch nicht. Da kommt mir eine Idee: Wie wär’s mit einlanden und Essen in der Scheidegg-Beiz? Wir können nachher nochmals fliegen. Die Aussicht auf Pommes und einen zweiten Flug überzeugen ihn. Gesagt, getan. Wir raffen den Schirm zusammen, legen alles unter den grossen Baum und stehen einigen Schaulustigen noch Red und Antwort. Eine Wanderin hat mit ihrer Digitalkamera (hey, über das erste Smartphone gab es erst Gerüchte!) Bilder von uns gemacht, die sie uns gerne schicken würde. Na gerne doch, herzlichen Dank!

Die Pommes und alles andere schmecken mit diesem Abenteuer hinter uns und noch einem vor uns besonders gut. Wir schauen den anderen von der Terrasse aus zu. Viele müssen landen gehen und nur wenige können sich halten. Es eilt also nicht. Wir genehmigen uns noch einen Dessert. Schliesslich muss der erfolgreiche Erstflug vom Sohnemann gefeiert werden. Mit dem alten Nokia-Knochen noch ein Telefon an Frau und Tochter, die zuhause geblieben sind, denn heute ist Männertag. Vorschwärmen, was für Helden der Lüfte wir doch sind. Meine Frau sieht das dann immer etwas gelassener als ich selber. 

Wie die Zeit vergeht. Mittlerweile ist fast niemand mehr in der Luft und die Schatten werden schon länger. Wird wohl einen Abgleiter geben. Irgendwie werden wir schon wieder hochkommen zu unserem Auto. Es ist fast niemand mehr am Startplatz. Wir legen aus, starten unverzüglich und gleiten in die schon recht tief stehende Sonne hinaus. Ich suche gar nicht erst nach Thermik. Sehe keinen mehr, der überhöht hat. Einfach geniessen. So kommen wir sehr hoch über dem Hüebli an. Ich ziehen einen riesengrossen, sanften Kreis Richtung Josenberg. Das Vario meldet sich, zaghaft, aber unablässig. Ich staune. Praktisch der gleiche Ort wie vor ein paar Stunden. Wie ist denn das möglich? Die Sonne steht doch ganz anders. Egal, geniessen wir die Flugverlängerung! Das Steigen bleibt, ich beginne ganz sanft einzudrehen. „Papa, geht das hier einfach immer so hoch , wie ein Lift?“ Keine Ahnung, mein Sohn. Geniess es einfach. Wir brauchen fast 20 Minuten, bis wir wieder über der Scheidegg hängen. Dann verlieren wir den Schlauch oder er hat sich aufgelöst. Wir können nochmals einsam toplanden, packen ruhig zusammen und schlendern zum Auto. Mein Sohn schläft noch auf dem Heimweg nach Wernetshausen ein, während ich die Hochgefühle dieses Tages bei ganz gemächlicher Autofahrt sanft verebben lasse. Nicht hoch, nicht weit, nicht lang, und objektiv gesehen auch nicht spektakulär. Aber doch sehr, sehr eindrücklich und erhebend. Und das noch mit meinem eigenem Sohn teilen können. Besser geht’s nicht.

Mark Bugmann

Nun freue mich darauf, was mein Flugkamerad Andy Schumacher in der nächsten Folge berichten wird.

 

Än Traum wird Würklichkeit – Thomas Schneider / 22.8.1982

In Bella Italia am Strand liegend bejahte ich Pit’s überraschende Anfrage für die Flugstafette ganz spontan. Kürzlich, als ich versuchte, mich an einen besonderen Flug von der Scheidegg aus zu erinnern, war dummerweise nichts Passendes zu finden. Grübel grübel …..

Rechtzeitig erinnerte ich mich, «da hatte ich mir doch damals, also vor genau 40 Jahren, was aufgeschrieben».


Mein Flugbuch -> Flug #22 am 9.7.1982 Wengi (Jura)
«Prüfung erfolgreich bestanden»

Mein Flugbuch -> Flug #40   am 22.8.1982 Alp Scheidegg
«än Traum wird Würklichkeit»


Nun, der Zufall will es, dass ich damals vor 40 Jahren ein für mich besonderes Flugerlebnis aufgeschrieben hatte (ich tat dies nur einmal). Zum ersten Mal war ich damals auf dieser Alp Scheidegg mit meinem Hängegleiter «Royale». Dies war mein Schulungs-Delta. Gleitschirme kannten wir noch nicht. Mein vierzigster Höhenflug, respektive Gleitflug, denn eine Startüberhöhung gelang mir vorher noch nie. Es war ein herrlicher Sonntag. Peter und ich, wir zwei Greenhörner, starteten erstmals anderswo als in unserem Schulungsgebiet (Jura).

Den Stafettenstab für die nächste Folge übergebe ich Mark Bugmann.

Was nun folgt ist wortwörtlich mein damals verfasster Text (eigentlich nur für meine persönlichen Erinnerungen festgehalten). Viel Spass beim Lesen!


Vill Lüüt am Startplatz, Wanderer. No drüü vier anderi Pilote. Guete Wind. 

Dä Peter startet und nach 100 Meter Flug isch er immer no uf Starthöchi. Churzi Ziit später hät er s gschafft, mit sim Zephyr (Schueligs-Delta) dä Startplatz z’überhöhe!

Ihänke, 5-Punkte Check – es isch alles io. Anstellwinkel passt - jetzt en Spurt über diä vorzüglichi Bode-Rampe!

Es treit würklich guet und sobald als möglich flüg ich en Vollchreis – über mir isch de Peter. Ich mach no es paar wiiteri Chreis. Er isch jetzt tüfer als ich. Ich flüge nach rechts und dört es paar Mal hin und her und plötzlich bin ich über de Krete. S’Stiege wird sogar immer besser.

Tatsächlich bin ich zum erste Mal höcher als de Startplatz – es irrsinnigs Gfühl! Am Hang entlang suech ich nach Stiege. Ich chans chum fasse, das ich würklich im Ufwind chreise und meh und meh Höchi chan gwünne.

Genau über me Liebespäärli gahts guet ufwärts. «Besser die beide nöd störe» dänk ich mir. Doch sie händ mich natürlich scho gseh und mir winked eus freudig zue.

De Peter hät leider weniger Glück gha und isch underwägs in Richtig Landeplatz.

Am Startplatz werdet jetzt haschtig d’Deltas ufgschtellt und diä alte Füchs mit ihre Hochleischtigsflügel started jetzt au. Gspannt beobacht ich sie us villicht 500m über Startplatz. En «Dädalus» wo scho Stunde gwarted hät, hebt jetzt au ab. «Ja isch das denn möglich?» gaht mir dur de Chopf. Nach vergeblichem Sueche für Thermik mues au er glii Richtig Landeplatz. E spitzbüebischi Freud chunt in mir uf – no einige Pilote gaht’s glich wie dem «Dädalus».

Es isch unbeschrieblich, wie me sich als Delta-Afänger, als Greenhorn under de renommierte Deltafüchs mit ihre vill bessere Gleiter so ganz elei hoch über em Startplatz fühlt. Ich begriife langsam, was für es grosses Glück ich hüt gha han, zum über d’Krete z’cho. 

Jetzt isch alles es Chinderspiel. D’Wolke knapp über mir mached mir s’Obebliibe liecht. Ich weiss genau, wo’s jewils wieder ufe gaht.

Ich erläbe es total intensivs, äs wunderschöns Gfühl. Grenzelosi Freiheit!

Plözlich ghör ich es Krache – «was isch da los»? Aha, en Modellsegler isch in Wald abgstürzt – winzig chlii, sodas ich ihn fascht nöd chan gseh.

Jetzt bin ich scho guet 45 Minute am Flüge und s’wird chalt. Ich Löli han kei Händsche agleit. «Hoppla», und scho wieder gaht’s obsi und d’Chälti isch grad wieder vergässe. Ich chreise einhändig (die anderi Hand versuechi irgendwie ufzwärme) knapp under de Wolke und flüge zu me andere Hügel. «Scho no es interessants Gebiet» dänk ich mir (bin Stadtzürcher). Und e traumhafti Ussicht wie ich sie no niä gha ha uf e wunderschöni Züri-Oberland Landschaft.

«So, und jetzt go Musig lose». Ich flüge höch direkt übers Openair Wald und bin happy. Mis Härz tanzt.

 

«Sölli langsam abe»? Ich wünsche mir en warme Azug und es bequemers Gschtältli. «Nei nei, ich flüüge so lang wie’s mir Freud macht».

«Was gsehn ich döt une am Startplatz»? Das isch ja de Peter, wo sin Delta scho wieder ufstellt. Hoffentlich hät er dasmal meh Glück ….. aber leider Nei. «Zephyr-Schwarte» rutscht über mini Lippe.

«Ich gseh glaub nöd rächt? Spinn ich? Halluzinatione»? Das isch ja de absoluti Wahnsinn. Da flügt doch tatsächlich under mir en Segelflüger dure. De Pilot winkt ufe, ich lueg ganz verdattered us de Wösch und winke zrugg. Ich mues lut uselache – Wie en König fühl ich mich und bin de glücklichscht Mensch uf dere Wält!

Da links, nur ca. 20 Meter sinds bis zum zweite Segler. Wiises Chäppli, blaus Liibli und Charte i de Hand gleited sie dävo und sind glii nur no winzigi Pünktli in Richtig Zürisee.

In minere Freud und bim Troime hani Höchi verlore, ich mues jetzt kämpfe, um zum Ufwindkanal z’cho. Ha scho nüme dra glaubt, doch ich schaff’s nomal ganz ufe. D’Wolke händ sich praktisch alli ufglöst und es stiigt nur no schwach. Scho guet 10 Pilote sind nach mir gstarted, aber ich bin immer no elei da obe. Doch es wird immer schwieriger zum obe bliibe. Aber ich gib natürlich nöd so gschnäll uf!

Gmüetlich flüüg ich jetzt richtig Landeplatz. Schön, es isch wieder vill wärmer da unä und d’Luft isch ganz ruhig.

No es paar Steilspirale, e Landevolte, de Endaflug, im richtige Augeblick s’Trapez usstosse und ich stah am Bode. Ganz weichi Chnüü han ich i dem Moment, wahrschinlich vu de Chälti? Ich würd jetzt am liebschte grad öpper umarme. Es git no es Küssli uf s’Kielrohr vo mim «Royale», er häts verdient!

Am Abbauplatz strahl ich übers ganzi Gsicht wie en Maichäfer – und ich chan überhaupt nüüt degäge mache.

De Peter und au anderi Pilote chömed mir go gratuliere. «Verzell, wiä isch es gsii» händ sie gschtürmt und sie händ alles wellä wüsse. «Wie höch obe bisch gsii», «und wievill Stiige häsch gha»? händ si gfräged.

Ich chan nur mit de Schultere zucke - woruf ich irgendwie komisch aglueged wird.

«Ich chan eu das würklich nöd säge - ich ha nämlich no keis Variometer und kein Höhemesser».

Thomas Schneider / SHV 4253

 

DCZO AKTUELL

GÄSTEBUCH

Hampe
Schlüsselgefunden
Ich habe ein schlüssel gefunden am Startplatz und ihn im Bänkli Deboniert. Gruess Hampe
Samstag, 26. November 2022

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